Monday, 19 April 2010 — 22:00h
live: KILLING SOUL (Rock/D)
at the Restaurant
http://www.myspace.com/killingsoulfolkgroup

Killing Soul geben ihr dreckiges Heilsversprechen im XB-liebig
Unpünktlichkeit ist keine Tugend, sie ist ein
Laster. Ständig komme ich zu spät. Ich verpasse den Bus, den Anfang des Filmes oder die Tagesschau. Doch wie jedes andere Laster verspricht das Zuspätkommen einen diebischen Lustgewinn. Zuspätkommen setzt Energien frei, erhöht die Spannung, schärft die Sinne. Man muss sich die verpassten Dinge eben schnell und fantasievoll aneignen.
Der Kritiker hat also den Anfang vom Killing Soul Konzert im XB-liebig verpasst, aber was erlebte er dann? Die Tür zum Club öffnet sich, die Band spielt bereits und wie es der guten alten Rockmusik eigen ist, verwandelt sie ihre Adepten in Nullkommanix in arschcoole, erhabene Wesen. Ein Schluck aus der Bierflasche, ein Zug an der Zigarette, den Daumen in die Gürtelschlaufe gesteckt und ein erlöstes „Yeah“ ausgestoßen: Der Abend hatte begonnen.
Killing Soul zimmern eine Wuchtnummer nach der anderen in die kleine Kaschemme im freien Restteil Friedrichhains. Das schmuddelige XB-liebig, eines der letzten Hausbesetzerprojekte in der Stadt, wackelt in seinen Grundfesten, und das Publikum schreit vor erlösungswilliger Begeisterung. Wie konnte das in der four-tothe- floor Hauptstadt Berlin geschehen? In der klassischen Triobesetzung Gitarre, Bass, Schlagzeug erzeugen die Jungs einen erdigen, warmen Sound, wie ihn die ganze geleckte Retrobluesrockwelle nicht zustande brachte. Der Gitarrist mit dem biblischen Namen The Youngest lässt seine Sparklegitarre jaulen, bratzen und kreischen, dass die Schwarte nur so kracht. Keine Note ist zuviel, kein Solo klingt affektiert. Jack White könnte sich ruhig eine Scheibe davon abschneiden.
€ 3